Header 02

 

Projekt 2. Stallumbau


 
Rechtzeitig bevor die nächsten Fohlen zur Welt kommen sollten, mussten wir die Hengste von den Stuten trennen. Es war zwar noch nicht sooo dringend, da die beiden Jungs noch Halbwüchsige waren, aber bei Teenagern weiß man ja nie, was die so anstellen. Vor allem mit erfahrenen älteren Frauen...
 
Also hatten wir lang überlegt, zwei getrennte Weiden hatten wir ja, aber wir brauchen auch zwei getrennte Wohneinheiten. Einen extra Stall bauen, aber wo? Da kam mir die glorreiche Idee, den bestehenden Stall einfach in der Mitte abzuteilen (genau da, wo wir vor nicht einmal einem Jahr die Wand herausgerissen hatten), auf der gegenüberliegenden Seite einen zweiten Eingang zu machen und als Wetterschutz und Futterplatz ein Vordach zu errichten.
 
Soweit der Plan. Aber das mit der Praxis kennen wir ja schon...
 
Georg hatte sich extra für zwei Wochen frei genommen, Mitte Mai, denn da ist ja immer so schönes Wetter. Normalerweise vielleicht schon, aber der Wetterbericht hatte keine guten Nachrichten für uns. Es sollte wechselhaftes Wetter kommen. So war es dann auch, sehr wechselhaft: es hat geregnet, genieselt, geschüttet, gewittert und gegossen.
 
Trotzdem, die Zeit mussten wir nutzen. Also standen wir meist im strömenden Regen, haben gehämmert, gesägt, geschraubt, geflucht und geschimpft, haben resigniert und dann doch irgendwie wieder Kraft zum Weitermachen gefunden.
 
Irgendwann war der Feldweg wegen der dauernden Regenfälle fast unpassierbar geworden und es war jedesmal eine Zitterpartie, ob es das Auto überhaupt bis zur Ranch schafft. Der Pizzamann ist glatt stecken geblieben. Es ist gar nicht so einfach, ein Auto aus dem Gatsch zu schieben. Danach hat sich der Zufahrtsweg überhaupt in einen munter murmelnden Bach verwandelt...
 
Am Ende der zwei Wochen waren wir fast fertig. Außerdem hat Georg gleich das günstige Wetter genützt, um die Zaunsteher ein paar Meter nach außen zu versetzen, damit die Mädels mit ihren Fohlen später mehr Weidefläche bekommen.
 
Zum Glück kann mein Paps nirgends vorbeigehen, wo es Baumaterial gratis zu holen gibt, das hat uns allen zusammen zwar mehr Arbeit beschert, aber dafür war's billiger.
 
Ich habe während der Umbauzeit wieder viel gelernt:

  1. Wenn man alte Nägel aus einem Brett raushämmert, sollte man sich immer vergewissern, dass nicht in der Mitte des Brettes auch Nägel rausstehen, bevor man sich mit Schwung rittlings draufsetzt. Sowas macht Löcher in die Jeans.
  2. Alte Nägel werden herausgeschlagen, Schrauben jedoch herausgeschraubt, die lassen sich nicht so gut hämmern.
  3. Der Akkuschrauber hat zwei Gänge: einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang. Mit dem Vorwärtsgang kann man keine Schrauben herausdrehen.
  4. Außerdem sollte man darauf achten, danach wieder den Vorwärtsgang einzuschalten, damit man sich später nicht wundert, warum die Schrauben sich nicht reindrehen lassen.
  5. Der Akku hält IMMER genau bis zur vorletzten Schraube, bevor er leer wird.
  6. Es gibt nicht nur Bretter, sondern Staffeln, Pfosten, Latten, Bretter und Schalungsbretter und jedes hat seine eigene Funktion.
  7. Bezinkettensägen sind unsagbar komplizierte Geräte und anscheinend nur für Männerhände gebaut. Frau sollte daher Mann besser nicht erzählen, dass sie eine Viertelstunde vergeblich versucht hat, das Ding in Gang zu setzen, während er sich im Baumarkt vergnügt hat...